Schwarzwald-Seensteig: Etappe 3 – vom Schliffkopf zum Mummelsee

Schwarzwald-Seensteig: Etappe 3 – vom Schliffkopf zum Mummelsee

Von Wolkenbergen, Märchenwäldern und Mummelkönigen

Dass wir auch heute nicht von nassen Füßen verschont bleiben würden, wurde uns schon beim morgendlichen Blick aus dem Fenster klar. Der Schliffkopf hatte sich immer noch nicht freigenebelt. Und so blieb auch der Blick vom Balkon aussichtslos.

Wir zögerten das Frühstück so lange wie möglich hinaus. Das war auch keine Kunst, denn es war wirklich lecker im Hotel Schliffkopf. Aber irgendwann mussten wir raus und los und da war immer noch der Nebel präsent. Also packten wir uns wieder ein und stiefelten etwas mutlos den Schliffkopf-Rundweg entlang.

Auch heute hatten wir große Hoffnung, dass es besser werden würde. Schließlich hatten der Wetterbericht und das Regenradar uns Positives vorhergesagt. Am „Hübschen Platz“ entschieden wir uns, die etwas längere Route zu nehmen, sie sollte ja besonders schön und wild durch den Schwarzwald führen.

Der Weg führte uns zum Kaisersteigle, einem wild-romantischen Waldpfad, der uns komplett den Atem verschlug. Der Nebel stieg wie im Märchen geheimnisvoll den Hang hinauf, hüllte uns ein, zog vorbei, und machte den Blick auf einen atemberaubenden Schwarzwald frei. Dann kam wieder der Regen, durchtränkte uns, zog vorbei, wieder Panorama. Dazwischen knallrote Wald-Erdbeeren, grüne und teilweise schon blaue Blaubeeren, regengetränkte Blaubeer-Sträucher, die uns diesmal auch bis zu den Oberschenkeln einweichten.

Es war ein Auf und Ab zwischen traurig sein, fasziniert sein, glücklich sein, frustriert sein. Dazwischen gab es Passagen, in denen man meinte, endlich wieder getrocknet zu sein. Im nächsten Moment wurde man eines Besseren belehrt, streifte man doch einen nassen Strauch, trat in eine Pfütze, oder bekam das Wasser von den Blättern der Bäume von oben ab. Aber immer wieder wurde man vom Schwarzwald entschädigt, mit einem Blick auf grüne Wälder, saftige Sträucher und Büsche, knallrote Erdbeeren und manch andere faszinierende Farbe im Wald.

Schließlich kamen wir zu dem Weg-Abschnitt, der heute in der Karte als nicht mehr begehbar gekennzeichnet wurde. Das haben wir erst gesehen, als wir am Hotel ankamen. Gemerkt haben wir es aber schon, denn es war nicht nur nass und eng, sondern ab und zu gab es ein paar Passagen, bei denen man wirklich gut hinschauen musste, wo man seinen Fuß hin setzte. Für uns war es ein Abenteuer und einfach nur wunderbar – wie im Märchenwald.

In Ruhestein angekommen erwartete uns ein Aufstieg, der es in sich hatte. So langsam wollten wir uns auch über unsere Lunchpakete hermachen. Leider gab es hier keine Hütte und die Wolkenberge verfolgten uns noch immer, verschlangen uns, und verschwanden dann wie von Geisterhand. Ganz oben haben wir schließlich eine Bank gefunden, die nicht auf der Wetterseite des Berges war. Diego haben wir zwischen uns gesetzt, damit er sich ein bisschen aufwärmen kann. Es ist eben nicht dasselbe, eine Pause im feuchten Nebel machen zu müssen, anstatt in der strahlenden Sonne des 1. Julis.

Vom Ruhestein ging es durch den Nationalpark über wunderbar angelegte Wanderwege. Auch hier wurden wir immer wieder vom Nebel eingehüllt, dann kamen wieder kurze Sequenzen freie Sicht. Den Atem hat es uns dann aber am Aussichtspunkt Orkan-Lothar geraubt. Als wollte sich der Schwarzwald mit uns versöhnen, riss plötzlich die dicke Nebeldecke auf. Der Blick auf das Tal vor uns wurde frei, wurde weiter, noch weiter … und schließlich sahen wir sie – die überall angepriesenen Schweizer Alpen. Es war wie ein Märchen, atemberaubend, irgendwie unreal, einfach wunderschön. Auch wenn wir vollkommen durchnässt waren, mussten wir einfach für einen Moment am Aussichtspunkt halt machen und das Natur-Schauspiel genießen. Es sollte nur wenige Momente dauern, bis der Nebel wieder die Sicht verschlossen hatte, aber es war einfach nur wundervoll.

Nun folgten immer wieder kurze Passagen, in denen wir einen Blick auf das Tal erhaschen konnten. Der Weg wurde irgendwie leichter, das Hotel rückte näher, die nassen Klamotten störten ein bisschen weniger und der Tag wurde irgendwie besonders.

Circa 2 km vor dem Hotel verliefen wir uns noch mal ein Stück, aber das war nicht ganz so schlimm. Nach einem Aufstieg von 200 Höhenmetern erreichten wir zuerst eine kleine Kirche, deren kunstvoller Bau uns sehr beeindruckte. Und gleich danach kam das Hotel. Endlich!

Wir sind heute im Berghotel Mummelsee. Hier soll es den sagenumwobenen Mummelkönig geben, den wir vielleicht heute nach dem Abendessen noch einmal zu Gesicht bekommen. Ansonsten muss Ben als König herhalten. Mummelig ist es hier auf jeden Fall. Wir können das Hotel nur empfehlen – es ist einfach nur wunderschön. Unser Blick geht direkt hinaus auf den Mummelsee. Für uns ist es bis jetzt die allerschönste Unterkunft dieses Schwarzwaldtrips.

Für uns war die dritte Etappe bis jetzt die schönste, die aufregendste, die emotionalste, die empfehlenswerteste. Ab morgen soll dann auch endlich das Wetter besser werden, aber das haben wir schon gesehen, schließlich hat der Himmel heute aufgerissen und die Wolkenberge sind davon gezogen. Was für ein erfüllter und wunderschöner Wandertag!

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